Unbewusst, höchste Lust!
Fragmentkunstwerk nach Richard Wagner und Georg Büchner.
Premiere: 28. März 2026
Brotfabrik Berlin
Konzept, Regie & Spiel: Carlo Nevio Wilfart
Kostüm: Minyi Wang
Bühne und Video: Soli Jang
Spiel & Gesang: Juntao Ye
Spiel: Laura Mitzkus
Waren Ritter die ersten Roboter?
„Unbewusst, höchste Lust“ – Isoldes letzte Worte im Liebestod – haben sich während meiner Assistenz bei den Bayreuther Festspielen tief in mich eingeschrieben. Die radikale Sehnsucht nach Auflösung, nach Verschmelzung, nach dem Ende des bewussten Ichs wirkte in mir weiter. Ich ertappte mich und andere immer häufiger bei dem Wunsch, weniger bewusst zu sein – zu funktionieren, statt zu hinterfragen. In dieser persönlichen Erfahrung begann dieses Projekt.
Die Performance untersucht, warum diese Dynamik heute so präsent ist: Warum erschaffen wir Intelligenzen, die alles wissen, aber niemals bewusst sein werden? Warum scheint das Versprechen von Automatisierung uns zu verführen?
Die Ästhetiken und Lebensbedingungen des Mittelalters werden denen der Gegenwart gegenübergestellt: Der Ritter wird dabei zur Metapher für ein vorbewusstes Funktionsmodell: gepanzert, kodifiziert, maschinenhaft – wie ein früher Roboter.
Visuell orientiert sich das Projekt an einem Stil, den man als „medieval core“ bezeichnen könnte: eine Mischung aus mittelalterlicher Symbolik und technoider Kühle – Rüstung, Stoff, Chrom. Dieser Trend, der in Mode und Popkultur spürbar ist, wirkt wie ein kollektives Zurückgreifen auf vergangene Versprechen von Schutz, Macht und Transzendenz.
[Projektion auf Ritters Brust:]
Fühlt und seht ihr's nicht?
Höre ich nur diese Weise,
die so wundervoll und leise,
Wonne klagend,
alles sagend,
mild versöhnend
leise tönend,
in mich dringet,
auf sich schwinget,
hold erhallend
um mich klinget?
[Babygeschrei geht los.]
Heller schallend,
mich umwallend ---
Sind es Wellen
sanfter Lüfte?
Sind es Wogen
wonniger Düfte?
Wie sie schwellen,
mich umrauschen,
soll ich atmen,
soll ich lauschen?
[Babygeschrei wird doller.]
Soll ich schlürfen,
untertauchen?
Süß in Düften
mich verhauchen?
In dem wogenden Schwall,
in dem tönenden Schall,
in des Welt-Atems wehendem All ---
ertrinken,
versinken ---
[Babygeschrei hört auf.]
unbewußt ---
höchste Lust!
Man muss die Menschheit lieben.
(aus „Lenz“ von Georg Büchner)