Die Laune des Verliebten

Schäferspiel von Johann Wolfgang von Goethe (1768)
Premiere: 19. April 2025
Schlosstheater Rheinsberg

Inhalte von Youtube werden aufgrund deiner aktuellen Cookie-Einstellungen nicht angezeigt. Klicke auf “Zustimmen & anzeigen”, um zuzustimmen, dass die erforderlichen Daten an Youtube weitergeleitet werden, und den Inhalt anzusehen. Mehr dazu erfährst du in unserer Datenschutz. Du kannst deine Zustimmung jederzeit widerrufen. Gehe dazu einfach in deine eigenen Cookie-Einstellungen.

Zustimmen & anzeigen


Goethe war 18, als er „Die Laune des Verliebten“ schrieb – sein erstes Theaterstück. Ein Schäferspiel. Junge Menschen auf einer Wiese. Liebe, Eifersucht, romantische Verstrickungen. Noch ganz im Geist der Idylle, der Pastorale – dem Oberthema der Osterfestspiele Rheinsberg 2025.


Wie reagieren Menschen, wenn sie merken, dass Love is not all you need?


Im Zentrum des Stücks stehen zwei Paare: Egle & Lamon führen eine offenen Beziehung, Amine & Eridon fühlen sich wohler im klassisch romantischen Ideal. Vier junge Menschen, die in einer Ewigkeitsblase leben. Sie kämpfen gegeneinander mit ihren Konzepten.


Und während die Diskussion scheinbar um persönliche Entscheidungen kreist – Wie liebt man richtig? Wem gehört die Treue? Was ist Freiheit? – dringt etwas Tieferes durch. Plötzlich geht es nicht mehr nur um Beziehungsmodelle, sondern um Macht, um Herrschaft, um Gewalt. Wer bestimmt die Regeln? Wer setzt sie durch? Und wer zahlt am Ende den Preis?


Kann das Private unpolitisch sein? Kann das Politische privat bleiben?


Und was hat Britney Spears damit zu tun?


“What is war? Baby don’t bomb me no more.”


Das Ensemble bringt Goethes Schäferspiel in einen zeitlosen Kontext. Künstler:innen aus Oper, Film, Theater, Mode, Metal und Performance - Goethes Sprache trifft auf heutige Körper, jede Geste ein Kampf um Freiheit. 



MITWIRKENDE


Egle - Rebecca Kunikowski 

Eridon - Arne-Carlos Boettcher

Amine - Edu Rojas

Lamon - Paul Polack


Fassung, Regie - Carlo Nevio Wilfart

Musik - Li He

Bühne & Kostüme - Linda Tiebel
Video - Malte Wenzel

Technik-Team des Schlosstheaters Rheinsberg


Intendant Osterfestspiele Rheinsberg - Georg Quander

[Amine und Egle sitzen an der einen Seite des Theaters und winden Kraenze. Lamon kommt dazu und bringt ein Koerbchen mit Blumen.]

Lamon.

Wie lange liebst du mich schon, ohne mich zu kennen?
Ich weiss es ganz gewiss, du liebst nur mich allein,
Und dieses muntre Herz ist auch auf ewig dein,
Du weisst es. Doch verlangst du mich noch mehr zu binden?
Ist es wohl scheltenswert, auch andre schoen zu finden?
Ich wehre dir ja nicht, zu sagen: der ist schoen,
Der artig, scherzhaft der; ich will es eingestehn, nicht boese sein.

Egle.
Sei's nicht, ich will es auch nicht werden.
Wir fehlen beide gleich. Mit freundlichen Gebaerden
Hoer ich gar manchen an, und mancher Schaeferin
Sagst du was Suesses vor, wenn ich nicht bei dir bin.
Dem Herzen laesst sich wohl, dem Scherze nicht gebieten;
Vor Unbestaendigkeit muss uns der Leichtsinn hueten.
Mich kleidet Eifersucht noch weniger als dich.
[zu Aminen:]
Du laechelst ueber uns! Was denkst du, Liebe? sprich!

Amine.
Nicht viel.

Egle.
Genug, mein Glueck und deine Qual zu fuehlen.

Amine.
Wieso?

Egle.
Wieso! Anstatt, dass wir zusammen spielen,
Dass Amors Schlaefrigkeit bei unserm Lachen flieht,
Beginnet deine Qual, wenn dich dein Liebster sieht.
Nie war der Eigensinn bei einem Menschen groesser.
Du denkst, er liebe dich. O nein, ich kenn
ihn besser:
Er sieht, dass du gehorchst, drum liebt dich der Tirann,
Damit er jemand hat, dem er befehlen kann.

Amine.
Ach, er gehorcht mir oft.


Egle.

Heisst das nicht elend leben?

Dem Liebsten, der uns stets beleidigt,

stets verzeihn,

Um Liebe sich bemuehn und nie belohnt zu sein!


Amine.

Was man nicht aendern kann -


Egle.

Nicht aendern? Ihn bekehren

Ist keine Schwierigkeit.


Amine.

Wie das?


Egle.

Ich will dich's lehren.

Es stammet deine Not, die Unzufriedenheit

Des Eridons -


Amine.

Von was?


Egle.

Von deiner Zaertlichkeit.


Amine.

Die, dacht ich, sollte nichts als Gegenlieb entzuenden.


Egle.

Sei hart und streng, du wirst ihn zaertlich finden.

Versuch es nur einmal, bereit ihm kleine

Pein:

Erringen will der Mensch, er will nicht sicher sein.

Amine.

Mit Freuden

Seh ich ihn meinen Blick der ganzen Welt beneiden;

Ich seh an diesem Neid, wie mich mein Liebster schaetzt;

Und meinem kleinen Stolz wird alle Qual ersetzt.


Egle.

Kind, ich bedaure dich, du bist nicht mehr zu retten,

Da du dein Elend liebst; du klirrst mit deinen Ketten

Und ueberredest dich, es sei Musik.
Das Wallen aus der Brust! die Roete vom Gesicht!

Und dann -


Amine.

O lass mich los! So liebt Amine nicht.

Amine [ihn bei der Hand fassend].

Geliebter Eridon!


Eridon [kuesst ihr die Hand].

Mein Maedchen!


Egle [fuer sich].

Ach wie suesse!


Amine.

Die schoenen Blumen!

Sprich, mein

Freund, wer gab dir diese?


Eridon.

Wer? Meine Liebste.


Amine.

Wie? - Ah, sind das die von mir?

So frisch von gestern noch?


Eridon.

Erhalt' ich was von dir,

So ist's mir wert. Doch die von mir?


Amine.

Fuers Fest gebraucht ich sie.


Eridon.

Dazu! Wie wirst du glaenzen!

Lieb' in des Juenglings Herz und bei den

Maedchen Neid Erregen!

Egle.

Verlass sie, wenn du glaubst, dass sie die Treue bricht;

Glaubst du, dass sie dich liebt, nun gut, so plag sie nicht.


Eridon.

Ich plage sie ja nicht.


Egle.

Wie? Heisst das sie erfreuen?

Aus Eifersucht Verdruss auf ihr Vergnuegen streuen,

Stets zweifeln, da sie dir doch niemals Ursach gibt, Dass sie -


Eridon.

Buergst du mir denn, dass sie mich wirklich liebt?

Amine.

Wenn war ich untreu?


Eridon.

Nie! das ist es, was mich quaelt:

Aus Vorsatz hast du nie, aus Leichtsinn stets gefehlt.

Das, was mir wichtig scheint, haeltst du fuer Kleinigkeiten;

Das, was mich aergert, hat bei dir nichts zu bedeuten.

Amine.

Schweig, Egle! Eridon, hoer auf, mich zu betrueben!

Frag unsre Freunde nur, wie ich an dich gedacht,

Selbst wenn wir fern von dir getaendelt und gelacht;

Wie oft ich mit Verdruss, der mein Vergnuegen nagte,

Weil du nicht bei mir warst, was mag er machen? fragte.

O wenn du es nicht glaubst, komm heute mit mir hin,

Und dann sag' noch einmal, dass ich dir untreu bin.

Ich tanze nur mit dir, ich will dich nie verlassen,

Dich nur soll dieser Arm, dich diese Hand nur fassen.


Eridon.

Dass man sich zwingen kann, beweist nicht, dass man liebt.

AMINES TRAUM

Inhalte von Youtube werden aufgrund deiner aktuellen Cookie-Einstellungen nicht angezeigt. Klicke auf “Zustimmen & anzeigen”, um zuzustimmen, dass die erforderlichen Daten an Youtube weitergeleitet werden, und den Inhalt anzusehen. Mehr dazu erfährst du in unserer Datenschutz. Du kannst deine Zustimmung jederzeit widerrufen. Gehe dazu einfach in deine eigenen Cookie-Einstellungen.

Zustimmen & anzeigen

Egle.

Sag mir, glaubst du denn, dass dieses

Liebe sei,

Wenn du sie bei dir haeltst? Nein, das ist Sklaverei.


Eridon.

Ah!


Egle.

Hoert man doch, wenn die Verbittrung redet.

Wo keine Freiheit ist, wird jede Lust getoetet.

Wir sind nun so. Ein Kind ist zum Gesang geneigt;

Man sagt ihm: sing mir doch! Es wird bestuerzt und schweigt.

Wenn du ihr Freiheit laesst, so wird sie dich nicht lassen;

Doch, machst du's ihr zu arg, gib acht, sie wird dich hassen.

Bekenne, weisst du denn, ob dir der Vogel treu,

Den du im Kaefigt haelst?


Eridon.

Nein!


Egle.

Aber wenn er frei

Durch Feld und Garten fliegt, und doch

zuruecke kehret?


Eridon.

Ja! Gut! Da weiss ich's.


Egle.

Wird nicht deine Lust vermehret,

Wenn du das Tierchen siehst, das dich so zaertlich liebt,

Die Freiheit kennt, und dir dennoch den Vorzug gibt?

Und kommt dein Maedchen einst von einem Fest zuruecke,

Noch von dem Tanz bewegt, und sucht dich; ihre Blicke

Verraten, dass die Lust nie ganz vollkommen sei,

Wenn du, ihr Liebling, du, ihr Einzger, nicht dabei -

Wenn sie dir schwoert, ein Kuss von dir sei mehr als Freuden

Von tausend Festen - bist du da nicht zu beneiden?


Eridon [geruehrt].

O Egle!

Egle.

Ihr Eifersuechtigen, die ihr ein Maedchen plagt,

Denkt euren Streichen nach, dann habt das Herz und klagt.